Werbe-spott
2010 beginnt mit schlechter Werbung!!!
Nachdem es längere Zeit nichts weiter Aufregendes in der Werbung gab und man vielleicht schon Hoffnung geschöpft hatte, dass die Kollegen Texter und sonstige Kreative ihr Wissen endlich auch mal anwenden, nun das:
Zum Start des Jahres 2010 jede Menge schlecht gemachte Werbung.
Erst mal, liebe Kollegen. Mit dem Jahr 2010 beginnt kein neues Jahrzehnt! Auch wenn sogar unsere Bundeskanzlerin sich diesen Unsinn in ihre Neujahrsansprache schreiben lässt, ändert das nichts an der Tatsache. Bekanntlich wird so was auch durch Wiederholung nicht wahrer.
Als wenn das nicht schon genug wäre, so haben die Kollegen, die die Werbung für „Mediamarkt“ machen, sich einen Sprachschnitzer erlaubt, der schon beim Hören weh tut. Der Spruch lautet ungefähr so: „Jeder zehnte Einkauf für umsonst“! Vermutlich war die Schulbildung der Texter auch „für umsonst“! Meine war übrigens kostenlos.
Wie man unsere schöne deutsche Sprache verhunzen kann, zeigt auch die aktuelle Werbung der Kaufhof AG. Der Spruch „ Es ist Sale bei Galeria Kaufhof“ ist ja wohl der Gipfel. Was wollte der Kreative uns wohl damit sagen? Das man bei Galeria Kaufhof etwas zu verkaufen hat? Wie originell!!! Kein Mensch fordert, dass man alles in Deutsch sagen soll, aber „es ist sale“ geht dann wohl doch zu weit. Ich rate in dieser Beziehung dem Vorschlag des Kabarettisten Günter Grünwald zu folgen, der die Einführung des Wortes „Mumpf“ empfohlen hat. (Es ist genauso aussagefähig wie „sale“!) Besonders da der „Verein deutsche Sprache“ das Wort SALE zum Unwort des Jahres 2009 erklärt hat.
Insgesamt also ein „guter“ Start für die Werbung!!!
Was OBI und Affen mit David Ogilvy zu tun haben
Nun schon seit Wochen quält uns Jung von Matt gemeinsam mit OBI mit ihrer neuen Kampagne unter dem Titel „Wie, wo, was weiß OBI“
Egal ob im Radio oder im Fernsehen, überall schallt uns schlecht gesungene Werbung entgegen.
Nun mag ja die Idee Werbung mit Amateuren zu machen ganz reizvoll sein. Wenn es denn dazu noch wirklich bei OBI Beschäftigte sind, ist diese Art Werbung wohl auch sehr authentisch. Und irgendwer hat ja offensichtlich den Kunden auch von der Wirksamkeit überzeugt.
Aber: sich ausgerechnet das aufrüttelnde „We will rock you“ von Queen vorzunehmen und das ganze mit absolut grausamen Gesängen zu aktuellen Angeboten zu übertünchen, lässt Freddy Mercury wahrscheinlich in seinem Grab rotieren.
Wie gute „gesungene“ Werbung aussieht, daran kann sich jeder erinnern, der den kultigen „Affenspot“ von Toyota mal gesehen hat, der ja auch dem allerjüngsten Kreativen bekannt sein sollte.
Was das Ganze nun mit David Ogilvy zu tun hat? Dem Gründer der Agentur Ogilvy & Mather und „Godfather“ der Werbetexter wird der Spruch zugeschrieben: „A salesman doesn´t sing“.
Manchmal sollte man sich an seine Vorbilder erinnern!
Joghurt und Physik
Im aktuellen „Activia”-Spot verrät uns eine reife Dame ihr Problem:
„Ich wollte doch die Trägheit loswerden”
Da will also jemand seine Trägheit loswerden.
Ja liebe Werber - das mit der Trägheit ist so ein Ding.
Da kann man tun was man will, sogar „Activia” trinken (oder wahlweise essen) - man wird sie einfach nicht los, auch mit zusätzlicher Bewegung nicht.
Und die crux bei der Sache ist, dass diese hinterfotzige Trägheit um so wirksamer wird, je mehr man sie zu überwinden versucht.
Trägheit, liebe Kreative, ist nämlich eine Eigenschaft der Materie und die kann man nicht loswerden - auch nicht mit „Activia”.
Meine Frau ist Physikdozentin - ihr könnt sie gerne fragen
Ich denke der Spot soll uns einfach nur sagen:
Wenn ihr unseren Joghurt nehmt, könnt ihr besser aufs Klo - oder so.
Surfing ergo sum
Der von Descartes formulierte Satz „cognito ergo sum“ ist zu Zeiten von web2.0 wohl eher so zu verstehen und treibt eigenartige Blüten.
Was uns das Internet so alles ermöglichen soll, zeigt uns der neue Spot von „WeightWatchers“ unter dem Thema „online abnehmen“.
Eh´ schon dürre Models mit Laptops teilen uns Weisheiten mit wie:
„Ich nehme in der Mittagspause ab“
„Ich nehme bei Vollmond ab“
„Ich nehme zwischen Köln und Bonn ab“
Dann präsentiert man die Internetseite von „WeightWatchers“
Was will uns der Werber damit sagen?
Keine Ahnung. Ich jedenfalls nehme komischerweise nicht dadurch ab, dass ich irgendeine Internetseite ansurfe. Kann ja sein, dass das an mir liegt aber meinen Kollegen geht es genauso.
Ach ja, eine Möglichkeit gäbe es – vielleicht soll mir der Spot sagen, dass ich während des Internetsurfens nicht essen darf. Das wäre logisch, denn „nicht-essen“ soll ja irgendwie beim Abnehmen helfen.
Hätte man das nicht einfacher sagen können?
P.S. Ich entschuldige mich bei allen Lateinern für die Überschrift!
Die Schaumlöffler sind da!?
Wenn man Frau Schöneberger im neuesten Nescafé-Spot
Glauben schenken darf, droht uns die Invasion
der „Schaumlöffler”. Junge dynamische Menschen mit Löffeln
im Mund sitzen, stehen oder laufen gar durch unsere Innenstädte.
Es sind die „Schaumlöffler”!
Uns „Normalos” bleibt bei diesem Anblick wahrscheinlich
der Mund offen stehen — da hält der Löffel nicht!
Wir gehören eben nicht dazu!
„An ihren Löffeln sollt ihr sie erkennen!”,
möchte man ausrufen.
Nun will ich ja die Bedeutung von Schaum nicht gänzlich in
Frage stellen. Zum Rasieren ist er ganz nützlich, beim
Baden sehr angenehm und zum Löschen (auch von Bierdurst)
ist er gut geeignet. Aber warum soll ich statt des Cappuccinos
oder Latte Macciatos Schaum bevorzugen? Wenn der Schaum wirklich
das Beste ist — wie uns der Spot zeigt — sollte man dann nicht
Nescafé raten, lieber gleich nur Schaum zu verkaufen und auf
das darunter befindliche Heißgetränk zu verzichten? Dass dabei die
Gefahr besteht als „Schaumschläger” bezeichnet zu werden, ist
leider ein unangenehmer Nebeneffekt. Ob Nescafé das wollte,
weiß ich nicht. Dass die beteiligten Kreativen sich damit zu
solchen gemacht haben, ist jedoch klar.